Dienstag, 14. September 2010

Aussagenpsychologie und Doping

Kriterien für den Realitätsgehalt einer Zeugenaussage sind zum Beispiel die Konkretheit und Anschaulichkeit der Schilderungen, ihr Detailreichtum, die Schilderung unerwarteter Komplikationen, das Fehlen von Klischees und Stereotypen sowie für den Fall, dass mehrere Aussagen vorliegen, Übereinstimmungen, Widersprüche, Ergänzungen und Auslassungen.

Eine bewusst lügende Person konstruiert ihre Aussage hingegen aus gespeichertem Allgemeinwissen. Da dies eine schwierige Aufgabe ist, gibt es auch dafür Indizien. Klassische Lügensignale sind etwa Verlegenheit und Zurückhaltung des Aussagenden bis hin zu Verweigerungs- oder Fluchttendenzen (übrigens auch in der Körpersprache). Auch das so genannte Vorwegverteidigungs- ("Wenn Sie mir vorwerfen würden, dass ich ...") und das Entrüstungssymptom ("Eine Unverschämtheit, mir zu unterstellen, dass ich ...") sprechen dafür, dass eine Person bewusst die Unwahrheit sagt. Schließlich können auch die Kargheit, die Abstraktheit und die Detailarmut einer Darstellung ein Indiz für eine Lüge sein.

Prof. Matthias Jahn in Legal Tribune vom 29.7.2010

Eva-Maria Gradwohl
Beispielhaft dafür ein Interview mit der österreichischen Marathonläuferin Eva Maria Gradwohl (Erster Teil, von Antenne Steiermark, aus kleinezeitung.at), die dieses Jahr nach einem verweigerten Dopingtest ihre Karriere beendete. Natürlich ist es naheliegend, dass sie als Lebenspartnerin des wirklich unsäglichen Walter Mayer, damit einen chemisch belegten positiven Dopingtest vermieden hat. Anderseits zeigt ihre Erklärung, wie es zu der entsprechenden Verweigerung kam ein paar starke Indizien dafür, dass sie nicht lügt. Detailiert, unlogisch, fetzenhaft und nur teilweise beschönigend (Streit mit Mayer wird erwähnt, Mayers massive Störung des Test selber verschwiegen)

Montag, 13. September 2010

Das ist der grösste Idiot


Nachtrag 13.Sept.2010: Das ganze handelt im Bereich der sog. Aussagepsychologie, einem Bereich der forensischen Psychologie. Darin wird einer detailierten, ausführlichen und kaum fragegeleiteten Ausführung eine hohe Glaubwürdigkeit eingeräumt (siehe Aussage Kohl).

Blick: Kennen Sie Bernhard Kohl?

Fabian Cancellara: Ja. Das ist der grösste Idiot.

Blick: Er hat in seiner TV-Beichte alle Rennfahrer des Dopings beschuldigt. Der saubere Sportler sei ja nur fiktiv. Was sagen Sie dazu?

Fabian Cancellara: Das ist Dummheit. Dem sind alle Sicherungen durchgebrannt. Für mich war er ein Esel, der geladen hat. Der ist einfach nur dumm, strohdumm. ...


Interview im Blick vom 16.Juni 2009

Kommentar: Ich warte bis du fällst, A****g****

WOC 2010 Long Final Men - Packfigures


Nachtrag 13.09.2010: Der letzte Posten in der Snake war gleichzeitig ein Verpflegungsposten. Auch das ist unter dem Aspekt der Läufertrennung kontraproduktiv.

Obwohl die IOF vor acht Jahren einen XML Standard u.a. für Ranglisten definiert hat, hat jede WM eine andere Auswertung mit einem anderen Datenexport. So auch in Norwegen. Das bedeutet Handarbeit und darum gibt es von dieser WM nur die Gruppenanalyse PackFigures vom Final über die Langdistanz der Herren.

Gruppenanalyse Langdistanz Herren (engl.)

Snake
Die hier angewandte Trennmethode ist eine Snake, eine nahen Verwandten des Phi. Auch die Snake besteht aus einer zentralen Teilstrecke und zwei Flügeln. Während im Phi ein Läufer zuerst die Zentrale läuft und der andere einen Flügel, laufen hier beide Läufer je einen Flügel. Danach laufen beide die Zentrale zurück zum Ausgangsposten, bevor sie sich auf den jeweils entgegengesetzten Flügel begeben.

Abb.1. Phi und Snake, zwei Trennmethoden aus der Familie der Lepidopteren (Schmetterlinge)

Hier wurde die Snake etwas nach der Hälfte des Rennens (Minuten 53-60 von 92) platziert. Die Läufer wurden Abwechslungsweise aufgeteilt. Das Startintervall war 2 Minuten.
Abb.2. Snake WOC 2010 Langdistanz Final Männer
Beurteilung der Trennmethode
Im vorliegenden Laufgelände mit einer allgemein grossen Vielfalt von jeweiligen Routen und Teilroutenwahlen bilden sich grundsätzlich wenig Gruppen. In der Snake, wo die Posten nahe aufeinander sind, fallen die Routenwahlen weg. Damit ist eine Gruppenbildung wahrscheinlicher. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Posten grundsätzlich ein Ort ist, wo man bei einem Fehler von einem Konkurrenten aufgefischt und weniger ungesehen überholt wird. Schliesslich wurden auch hier für die Trennmethoden ein feines und damit technisch schwieriges Gebiet ausgewählt. Damit erhöht sich die Fehlerwahrscheinlichkeit und damit die Klumpwahrscheinlichkeit nochmal und der Effekt einer Trennmethode dreht sich gegen die ursprüngliche Absicht.

Das Resultat aus der Perspektive der Trennmethode ist daher negativ. Gerade zwei Gruppen, die sich im Vorfeld der Snake gebildet haben, wurden getrennt. Dagegen kam es ausgerechnet in dieser Region zu einer Vielzahl Zusammenschlüsse von vier Minuten auseinander gestarteten Läufern und natürlich blieben die bereits vorher gebildeten derartigen Gruppen unbeeinflusst.

Gruppendynamik
Zuerst fallen die klassischen Langzeit-Hänger auf, die früh eingeholt werden und die sich fortan dem Vorläufer an den Sohlen heften. Der Vorläufer hat davon [machmal nur vermeintlich] nicht viel. Hubmann/Tambasov ist so eine Gruppe, die über die letzte Rennstunde anhielt. Tambasov stempelt dabei konstant 2 oder 3 Sekunden hinter Hubmann. Die andere solche Gruppe ist Nordberg/Fraser mit quasi derselben Charakteristik: Fraser über die letzte Stunde überwiegend eng hinter Nordberg. Nordberg läuft mit Fraser im Rücken etwas konstanter, als am Anfang und setzt sich so von seinen direkten Konkurrenten Gonon und Gueorgiou ab.
Gonon und der Sieger Lundanes liefen über die ganze Renndauer ohne bemerkenswerten Gegnerkontakt. Ebenfalls alleine liefen Wingsted, Lakanen und Merz. Nota bene sind Gonon, Lakanen und Lundanes die letzten drei Gestarteten. Leute, die am Schluss starten laufen nicht selten allein. So auch Birklin und Thoresen an der WOC 99, Merz und Adamski an der WOC 07

Nachtrag
Zur Schlange: Bei den Herren haben zwei das Prinzip der Schlange nicht mitbekommen (Nikolov, Kratov) bei den Frauen auch zwei (Gyurko, Kelemen beide aus Ungarn). Alle rannten die Schlange 'Phi-like'. Nikolov, Gyurko und Kelemen bemerkten den Fehler (aufgrund von gegenläufigem Gegnerkontakt??) und korrigierten. Kratov lief einen ganzen Flügel entgegen der Laufrichtung und brach danach das Rennen ab.

Montag, 6. September 2010

Neue Methode zur automatischen Aufzeichnung von Kartenkontakten

Der Schweizer OL Läufer Mikee ist dabei eine Methode zur automatischen Aufzeichnung von Kartenkontakten zu entwickeln... Das ist Hot Stuff.

Abb.1. GPS-Track mit Kartenkontakten (grün = lesen) am am 4.Nat.OL 2010, Scheidwald. I'm happy with my race but not with my placing. Loosing 2' to the 9th (getting too low) ant 1/2' on the 7th. Mikee auf Attackpoint.org


Interpretation Abb.1: Zu 9 macht es den Anschein, dass der Läufer ungenau vom Weg wegläuft, in ein grünes Gebiet gerät und dort nicht auf die Karte schaut, sondern versucht, möglichst rasch da raus zu kommen. Sobald er durch ist, versucht er, den Kartenkontakt wieder herzustellen. Das scheint nicht zu gelingen bis der Kartenkontakt durch eine Rinne unterbrochen bzw. abgebrochen wird (Rinnen im Gelände relativ tief). Anstatt weiter/wieder den Kartenkontakt zu suchen, scheint es, der Läufer falle auf sein grobes Richtungs-Konzept zurück (keine Richtungskorrektur). Es ist denkbar, dass der kleine Fehler bei 7 einen Einfluss auf dieses Lesemuster hatte (Korrekturdruck). Auch denkbar ist, dass die Wurzel beider Fehler darin besteht, dass der Läufer auf der Strasse zwischen 6 & 7 zu lange kommende Routenwahlen studiert hat und zu spät auf die Feinlese-Vorbereitung der anstehenden Posten 7-9 umgestellt hat. Ein Indiz dafür ist auch das Weglaufen von 9 (erster Kartenkontakt 200m nach dem Posten).

Technischer Hintergrund:
Measured with an accelerometer fixed to the map reading hand. Some code process the acceleration data into a "map angle" (deviation from map parallel to ground). Displayed with Quickroute. The map angle information is mapped onto the "elevation" information in the gpx file prior to loading into QR. I also had to interpolate the trackpoints from the garmin watch to get a pseudo 1s resolution (to detect quick glances at the map).
Mikee auf Attackpoint.org

Freitag, 3. September 2010

WOC 10 Sprint: Dito Jan Prochazka

Der Vollständigkeit halber: Die Sprintvorbereitung von Jan Prochazka (CZE, 15.Rang)
Abb.1. Selbst erstellte Karte von Jan Prochazka zwecks Vorbereitung für den Sprint Final WM 2010, Trondheim.(aus: Prochazkas Blog)

IgotU GT-120 Treiber für Windows 7


Aktualisiert 3.9.2010


Zur Zeit gibt es keinen. Dafür crasht der Rechner, wenn du die Wunderbüchse anschliesst.

Den neuen Treiber gibt es im Paket mit @trip 3.0 hier

Donnerstag, 2. September 2010

OL-Kartenaufnahme mit Laserscanning-Daten [von Urs Steiner]

Urs Steiner hat mir die Unterlagen seines Vortrages zur Kartenaufnahme mit Laserscanning anlässlich des Kartenaufnehmerkurses vom 1.Mai 2010 zur Verfügung gestellt. Zur weiteren Verbreitung seiner Erfahrungen werde ich diese hier wiedergeben.










































[autorisiert US 21.7.2010]

Mittwoch, 1. September 2010

WM OC Schlussbetrachtung


Ergänzt 9.9.2010: Vorbereitung Lundanes
In der Einleitung meines kleinen Selbstversuches zur Wettkampfvorbereitung habe ich geschrieben, ich spiele für einmal den professionellen OL Läufer und leiste auf der informativen Ebene eine maximale Vorarbeit im Hinblick die Veteranen WM 2010 im Neuenburger Jura hin.

Im Verlaufe des Versuches war eindrücklich, wie Kartenstudium und Bahnprognose einen spürbaren Effekt auf die Selbst-Sicherheit, die grossräumige Orientierung (Lauf-Einteilung, lange Routenwahlen), sowie die kleinräumige Orientierung (schwer lesbare Details) haben. Einzige Gefahr stellt die überdetaillierte Vorbereitung dar, mit der Verlockung, auf vorbereitete Routen voreingenommen zurückzugreifen.

Zeitgleich mit meinem Versuch zeigte sich an der WM er Elite in Trondheim, wie unerlässlich die derartige Vorbereitung mittlerweile auf dem Niveau der Weltspitze ist. Da ist die selbst gezeichnete Sprintkarte von Fabian Hertner (2. im Sprint), das Kartenstudium von Carl Waaler Kaas (1. Mitteldistanz), die Bahnprognose von Simone Niggli (1. Langdistanz) und zuguterletzt das Studium von Schafweidegebieten von Olav Lundanes (1. Langdistanz) . Das gehört im heutigen Setting (Weisungen, Zielort, alte Karten, Gabelungmethode, TV-Posten, Schlussschlaufe) zum Standard und wer sich nicht so vorbereitet ist selber Schuld (z.B. Weltzien, Novikov, Jurenikova, Nikolov, Kelemen, Kratov und Gyurkò).

Als 'normaler' OL-Läufer bleibt mir jetzt die Frage, wohin ich mich wende. Gehört diese Art von Vorbereitung einfach dazu oder doch nicht? Verschaffe ich meiner athletischen Seite mehr Gewicht oder suche ich die technische Höchstschwierigkeit (Weissblatt-Standard)? Schlussendlich muss jeder selbst entscheiden.

Moderne Bahnlegung II

Abb.1. Moderne Bahnlegung: Einfügen einer Strassensperre zur Herstellung einer Routenwahl im Sprint Final an der OL WM 2010 in Trondheim. (Quelle: www.migrilli.ch)

WMOC 2010: Overprepared: Long Final Le Cernil

Abb.1. Prognose WMOC Lang Final H 35- Variante 1

Abb.2. Prognose WMOC Lang Final H 35- Variante 2
Abb.3. Effektive Bahn WMOC Lang Final H 35-

Zuguterletzt der Final. Auch hier war die Bahnanlage weitgehend absehbar. Auf dem Weg zum Start konnte ich die Variante mit dem südlichen Start verwerfen und es kam alles, wie erwartet... Leider. Ich wusste schon am Start, dass es an diesem Tag zu lange für mich würde... :-)

Mittwoch, 25. August 2010

Nicht vorbereitet

Inför VM bestämde jag mig att jag inte skulle ägna någon tid åt teoretiska förberedelser med gamla kartor. Jag la bara en bana på en del av VM final-kartan i vintras men under de senaste månaderna gjorde jag ingenting förutom kort diskussion med andra i landslaget på kvällen innan loppet. Anledningen till att jag inte la ner tiden var att jag ville testa nåt annat, behålla flexibilitet, spara mina mentala krafter och också trodde jag att jag skulle klara av att bestämma mig rätt ändå, med den rutinen jag har. Nu ångrar jag mig lite att jag inte satt med den gamla kartan och la många vägvalsträckor som jag brukade göra inför tidigare VM, det kanske hade gett mig mer självförtroende inför loppet.

Eva Jurenikova
zur WOC 2010 Langdistanz

Dazu Simone Niggli:
We thought that the start would be were it was. Also the long route choices we discussed them in the team, so there were no big surprises. But anyway, you have to be free in your opinion when being on the start.

World of O, 12.August 2010

Wahrscheinlich auch nicht vorbereitet waren Valentin Novikov und Audun Weltzien im Mittel Final der Männer.
Abb.1. Die Routen von Carl Waaler Kaas, Valentin Novikov und Audun Weltzien. Novikov war bei 13 bloss 2 Sekunden hinter dem Führenden CWK, Weltzien bloss 5 Sekunden.
Dazu sagt Carl Waaler Kaas:
To the 14th control quite a few runners lost seconds by going to the left of the forbidden area, it was maybe one of the most decisive on the whole course. When preparing for the race I looked at the area close to the arena on the long distance map. I looked for possible ways of entering the arena and figured out that the road trough the forbidden area probably would be used. In high speed and pressure it could maybe be difficult to see this road, but as I knew about it on beforehand I had no problems finding it either on the map or in the terrain.


K:Hervorhebung von mir. Ein Wägli-OL-Posten hat also das Rennen entschieden.;-P(Dank an Christian für den Tipp)

o-zeugs over and out (late wc china finding)

Yes. Let the o-zeugs blog rest in peace. I´ll take it down eventually. And yes, I stumbled over the decisions of the Ethics Panel regarding ...