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Montag, 16. Januar 2012

Flow - Kompetenz [Übungen mit AMRD]

Flow Kompetenz
  1. Ein guter Rythmus ist entscheidend für einen flüssigen schnellen fehlerfreien Wettkampf.
    So kam es, dass mich am neunten Posten Thierry, der spätere überlegene Sieger, einholte. Ich wollte natürlich dranbleiben und von seinem hohen Tempo profitieren! Lustigerweise hatte ich ab da nie das Gefühl, total überfordert zu sein. Weder physisch noch technisch musste ich je abreissen lassen und hatte immer alles im Griff.
    Matthias Müller, Mittel Final 2011.
  2. Es gibt verschiedene Faktoren die einen guten Ryhtmus erschweren in erster Linie das Gelände das mit wechselnder Belaufbarkeit einen dem Orientierungsläufer einen anderen Rythmus aufzuzwingen versucht.
    Falls ich kein präzises Konzept habe, so wird mir die Kartenlesezeit nur noch vom Gelände aufgedrängt. Über unebenem Gelände werden die Kontakte kürzer, auf Strassen eher länger. Ich kann somit die Lesezeit nicht mehr aktiv bestimmen.
    Roger Vogel
  3. Dann die Bahn selber, die mit Posten unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit Rhytmuswechsel verlangt
  4. Ein möglicher dritter Faktor zuungunsten kann ein ungeeingnetes Konzept sein (z.B. Kartelesen macht langsam)
  5. Die Kunst ist es nun, in jedem Gelände den eigenen Rhytmus zu finden bzw. diesen auszulösen.
    Zu Posten zwei konnte ich anfänglich die Richtung nicht gut halten und lief weiter rechts als geplant. Auf die aufkommende Hektik reagierte ich aber sogleich, investierte etwas mehr Zeit in die Karte und fand meinen Rhythmus wieder.
    Matthias Merz, Long Quali 2007.
  6. Richtig. Der Orientierungsläufer ist idealerweise fähig, einen schlechten Rythmus/Fluss zu erkennen UND zu korrigieren. Ich nenne diese Fähigkeit neudeutsch Flow Kompetenz.
In jedem Training ein Block Flow Kompetenz
In den letzten Jahren sind Multi-Technik-Trainings beliebt (Bsp. Ushkvarok Gyllbergen). Eigentlich sollte in jedem solchen Training ein Flow-Block drin integriert sein.

Übung
Die Übung ist denkbar einfach. Sie besteht aus einem normalen OL Training für erste mit relativ einfacher, regelmässiger Bahn in einfachem Gelände. Später soll das Gelände und die Bahn sukkzessive schwieriger werden. Für einmal liegt der Fokus nicht auf dem eigentlichen orientieren, sondern auf verschiedenen Kartelesekonzepten. Alle sechs Posten gibt sich der Läufer ein neues Konzept und führt dieses aus. Dabei sollen die unterschiedlichen Konzepte auf ihre Flow-Qualität erforscht werden. Es werden gezielt auch schlechte Konzepte vorgegeben.

Ziel der Übung
Dies soll mittelfristig dazu führen, dass der/die AthletIN ein vertieftes Verständnis für schnelle und langsame Konzepte, sowie selbstgewählte und aufgezwungene Muster entwickelt und dass er/sie langsame Muster im Wettkampf wiedererkennt und diese sofort ein schnelles Muster zu drehen vermag.

Im Beispiel wird ein Konzept über eine Schlaufe aufrechterhalten. Ein kurzer Überlauf dient der Umstellung. Der Einsatz von AMRD dient der Selbstprüfung der Umsetzung der Konzeptaufgaben.

Konzeptaufgaben
z.B.
  • Lies nur innerhalb oder nur ausserhalb des Postenraumkreises.
  • Lese so wenig/viel wie möglich
  • Lese oft aber sehr kurz
  • Lese immer einen Moment länger als du normalerweise tust
  • Lese immer nur den nächsten Schritt (next)
  • Lese immer die nächsten zwei Schritte (next, und dann)
  • Lese nur auf Wegen
  • Lese nur in schlecht belaufbarem Gelände
  • Lese nur im ersten Drittel eines Postens
  • Renne die ersten 250 Schritte des Postens unvorbereitet, blind nach Kompass, ohne Karte zu lesen
  • Lese alle 30s/alle 100 Schritte einmal
  • Lerne jeweils den nächsten Posten auswendig
  • Lese nur noch nicht sichtbare Objekte bzw. Objekte bevor sie sichtbar werden.
  • Bleibe stehen, wenn du liest
  • Lese immer nur einen Posten aufs Mal
  • ...
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AMRD
AMRD dient bei dieser Trainingsform als perfektes Feedback-System und führt dazu, dass der/die AthletIN ihre eigenen Muster besser lesen, interpretieren und letztlich auch beeinflussen kann.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Warum ist AMRD kein Erfolg?

Abb.1: So liest ein 'Sprinter'.
Abb.2. Müdigkeit kostet 49'
Abb.3. Umlegen der Routenwahl kostet 20'
Abb.4. Step by Step lesen kostet 50'
Abb.5. In der Gruppe (retrospektiv) laufen kostet 41'


Flaues Echo
Zugegeben: Vor einem Jahr dachte ich, AMRD würde die technisch-mentale Arbeit im Orientierunglauf revolutionieren. Der grosse Durchbruch ist bislang ausgeblieben.
Intressant, aber eine Spielerei und nicht ergiebig.
Ich war dort einfach müde.
Zwei Athletenfeedbacks.

Ein paar Hypothesen dazu
a) Karte lesen macht man einfach. Es wird von Grund auf nicht reflektiert und thematisiert. Wie, wann und was jemand liest wird als gegeben und unverrückbar angesehen.+ AMRD berührt damit eine zu fundamentale Ebene.++
b) Es ist ungewöhnlich 'in Kartenkontakten zu denken' und mentale Konzepte fokussieren dem entsprechend nicht auf Timing und 'Ökonomie der Kartenkontakte'.+++
c) Spitzenläufer haben eigentlich keine Zeit für fundamentale Überlegungen. Zugleich sind ihre bestehenden Konzepte schon so erfolgreich, dass kein Handlungsbedarf vorherrscht.
d) Die Handhabung der Methode ist zu kompliziert und erfordert Know-How. Die Resultate der Methode werden als unzuverlässig angesehen.++++

Andere Erklärungsansätze? Mikee? Jan? Baptiste? Thierry?


Ein paar Bemerkungen dazu:
+ Betrachtet man die unterschiedlichen Lesemuster im Schweizer Nationalkader, so fällt auf, dass die 'Sprinter' Hubmann (Abb.1.) und M.Kyburz auch auf der Langdistanz kaum längere Kartenkontakte zeigen. Möglicherweise sind sie im Unterschied zu anderen gewohnt, 'The Big Picture' zu sehen und/oder sie können schnell an-und absetzen. Beides ist u.U. trainierbar.
++ Es fällt mir immer wieder auf, wie Trainingsformen immer nur das Orientieren an sich thematisieren. Als Beispiel ein Training von Pavlo Ushkvarok im Gyllbergen
+++ Ich vermute, dass St.Thierry da nahe dran ist. Hierzu ein Zitat von Matthias Müller:
Im Nachhinein gesehen, war ich am Start nicht richtig locker, ich wollte mit der Brechstange laufen, nahm mir nicht genug Zeit fürs Orientieren und machte dementsprechend viele Fehler. Bei 5 30s, bei 7 fast zwei Minuten und bei 9 nochmal Eine! So kam es, dass mich am neunten Posten Thierry, der spätere überlegene Sieger, einholte. Ich wollte natürlich dranbleiben und von seinem hohen Tempo profitieren! Lustigerweise hatte ich ab da nie das Gefühl, total überfordert zu sein. Weder physisch noch technisch musste ich je abreissen lassen und hatte immer alles im Griff.
++++ Siehe dazu die Arbeit von Hans Jørgen Kvåle og Kim André Sveen: Hjelpemidler for O-teknisk analyse

Donnerstag, 1. September 2011

O-Mental: Homöostase

Zwei Zitate von zwei WM Teilnehmern (und meine Arbeit fürs Nationalkader) erinnern mich an den Begriff der Homöostase (Selbstregulation), die ich vor langer Zeit im Biologiestudium kennen gelernt habe. Dabei geht es um die Fähigkeit u.a. von Zellen, entsprechend dem inneren Bedarf und dem äusseren Millieu Kanäle zu öffnen oder eben zu schliessen.

I think everyone assumed I'd be nervous for my first WOC race, and pretty much everyone I saw yesterday and this morning tried to offer me advice. I figured it was easiest to just ignore them all and do my own thing - I know how to play this game; other people may be better at it, but I know what to do.
Alex Jospe [okansas got it first]

Now there has been time for thinking it all over. Main conclusion could sound like this: there might be some fundamental things missing in very base level of my O skills and it’s impossible to build stable technical performance on that kind of foundation. Cause it’s about stability and nothing else. Ironically, it has taken almost 6 years to become aware of things I knew from before. And being aware is what makes difference. I believe that good orienteering coach is one of “missing pieces” and I have started to put my puzzle together by getting one, cause I don’t have another 6 years to spent on trials.
Edgars Bertuks

Sonntag, 15. Mai 2011

Jansson: Hirn und Rückenmark

Eine schöne Beschreibung des Lernprozesses im OL.

Att lära sig en ny terräng är som att lära sig ett nytt språk. Du har nytta av de språk du kan innan, ju fler språk du kan desto lättare att lära sig ett till. Det krävs vilja, koncentration, repetition. Du måste öva, bygga på de fraser du redan kan. Strävan är att det ska sätta sig i ryggmärgen, att inte behöva tänka innan du talar, att språket flödar. Så är det med orientering. När jag kan en terräng fattas besluten på intuition, jag behöver inte fundera mer än en millisekund på hur varje sträcka ska löpas. Just nu måste jag använda varenda del av min hjärnbark för att springa här. Tankarna rasslar genom huvudet, koncentrationen är stor så stor. Att träna här igen och igen är att plocka ner saker från barken in i märgen, ryggmärgen. Där ska det sitta i augusti då VM ska springas.

Helena Jansson 10.Mai 2011 auf helenajansson.com

Mittwoch, 14. Juli 2010

Olav Lundanes an der Jukola 2010

With such a big lead I could invest a lot of extra in my technique and double check everything. As long as I did not do any big mistake nobody would catch me up. I therefore used a bit more “know where I am” technique, instead of knowing where to go, as a normally do.

Olav Lundanes gegenüber Ultimate Orienteering über seine taktisch-technische Ausrichtung vor der letzten Strecke der Jukola 2010, die er mit grossem Vorsprung auf die Verfolger antreten konnte.

Dienstag, 8. Juni 2010

OL Sprache II - Matthias Müller EOC10 Sprint

Der Start aus der Zielarena heraus ist immer etwas besonderes, man muss sich besonders gut im Griff haben, damit man nicht gleich zu beginn schon überdreht. Mir ist das gut gelungen, ich kam sofort auf die Karte und fand die ersten beiden Posten im Sand ohne Probleme.

Ein erstes Mal wurde es etwas bränzlig auf dem Weg zu 3. Auf der Stasse sah ich rechts nur noch im Augenwinkel den Zaun aufhören und verpasste danach fast den Weg in den Wald. Die Umstellung war enorm, plötzlich musste man alles mitlesen und konnte nicht mehr einfach auf Sicht laufen, so wie noch im Sand.

Auf dem Weg zu 4 sah ich den vor mir gestarteten Skjeset unterwegs zu fünf. Ich merkte, dass mich da eine Routenwahl erwartet und man nicht einfach gerade laufen könnte. Ich entschied mich für die gleiche Route wie der Norweger, hatte aber vor dem Posten etwas Probleme, die Hausecken zu sortieren und zögerte etwas.

Bei 6 kam der nächste Technikwechsel : schwieriger Wald OL, Richtungskontrolle, Kompass. Zuerst verpasste ich aber fast den Weg in den Wald und schoss auf halber Strecke etwas übers Ziel hinaus. Wie ich dann aber in den Postenraum kam, sah ich Skjeset vor mir, ich hatte ihn bereits fast aufgeholt. Deshalb entschied ich mich zu 7 auch für die offensive direkte Route. [...]

Matthias Müller zum EOC 2010 Sprint Final
Ganzer Text (migrilli.ch vom 8.Juni 2010)
Alle Analysen Matthias Müller EOC 2010

K: [Hervorhebungen von mir] Ausgeprägte mentale und technische Aspekte in Matthias Müllers OL Sprache.

Dienstag, 1. Juni 2010

Fehlersprache

Abb.1 Posten 7 EOC 2010, Bulgarien, Mitteldistanz Qualifikation Damen Feld 2 (von unten (6) nach oben (7); Quelle: www.simoneniggli.ch)

... Ich lief vor dem Weg an einer Senke vorbei und dachte, dass es diejenige wenig links vom Strich sein. In Tat und Wahrheit lief ich aber weiter links an der anderen Senke vorbei. So lief ich natürlich parallel falsch den Hang hinunter und kam so um einiges zu weit links. Ich hatte schon ein Warnsignal im Hinterkopf und als ich links eine Mulde sah, dachte ich eigentlich schon, dass es die falsche war...
Simone Niggli über EOC2010 Middle Qualifikation auf simoneniggli.ch

K: Simone Nigglis Fehlersprache* ist deskriptiv. Nicht technisch (z.B. Kompassfehler den Hang hoch), nicht analytisch (z.B. nach der einfachen Wegpassage unkonzentriert) und nicht modellhaft (z.B. nach der einfachen Wegpassage den Kartenkontakt verloren, dadurch ein zu schematisches Konzept ohne Details, über die kleine Mulde gestolpert und diese falsch zugeordnet (Abreisser)).
(*Fehlersprache als mögliches Fenster zum mentalen Modell der AthletInnen)

N (2.Juni 2010): Hier noch ein Beispiel für Simone Nigglis Fehlersprache. Ebenfalls vorwiegend deskriptiv.

Sonntag, 22. Juli 2007

Virtueller Vorsprung III / Flow

Zu Posten zwei konnte ich anfänglich die Richtung nicht gut halten und lief weiter rechts als geplant. Auf die aufkommende Hektik reagierte ich aber sogleich, investierte etwas mehr Zeit in die Karte und fand meinen Rhythmus wieder.

Matthias Merz, WOC 07, Long Qualification

I started out with a smile and great hunger for orienteering. Not before the 10th control a single thought came to my mind. Really fascinating! The end of the course went less effortless, but I still managed to run proper orienteering.

Jonn Are Myhren, WOC 07, Middle Qualification

Samstag, 9. Juni 2007

Visionary Headstart 1.2.1

In this discussion paper I introduce five types of map contacts in orienteering, such as affimative, detailing, visionary, retrospective and next-step-reading map contact. These types are distinguished by four properties and mostly they appear grouped as the bad-ones and the good-ones :-). I further introduce a method to visualize personal mapreading technique in general as in case of a mistake.

The whole discussion paper is founded on the concept of the visionary headstart and inspired by serveral international elite orienterers as by my work as technical coach.

ANALYZE YOUR MAP READING IN ORIENTEERING (.pdf)

Montag, 12. September 2005

St.Thierrys Golden Route // Reduzieren

Referenz auf einen Artikel in welchem Thierry Gueorgiou seine Technik anhand seines Sieglaufes an der WOC 2004 über die Mitteldistanz aufzeigt.
www.arua.ch

Donnerstag, 12. Mai 2005

Virtueller Vorsprung / St.Thierry

Referenz auf einen Artikel zum Thema Virtueller Vorsprung. Ein Auschnitt aus einem Interview mit St.Thierry Gueorgiou und daraus abgeleitet Trainings und Analyseformen.
www.arua.ch

Donnerstag, 15. Juli 2004

Talent-Feld

Referenz auf einen Artikel zum Thema der Talentfeld-Dynamik bei Fokussierung auf ein Haupttalent gezeigt im Orientierungslauf.
www.arua.ch

Sonntag, 21. März 2004

Balance (Guide vs. Pressure), Preparation.

Referenz auf einen Artikel zum Thema der taktischen Gestaltung von Wettkämpfen mit der Balance von Druck und Kontrolle als Leitmotiv.
www.arua.ch

o-zeugs over and out (late wc china finding)

Yes. Let the o-zeugs blog rest in peace. I´ll take it down eventually. And yes, I stumbled over the decisions of the Ethics Panel regarding ...